Selbstverständnis

Karoshi/Karōshi/Karoushi [ ka|rō|shi] = jap.: death by overworking. Als Todesursache in der japanischen Leistungsgesellschaft anerkannt und gefürchtet.

Selbstverständlich vertreten wir eher ein gegenteiliges Arbeitsethos: Arbeiten soll gleichmäßig nach Kenntnissen und Fähigkeiten verteilt sein, so dass alle die Früchte ihrer politischen, kulturellen, körperlichen und geistigen Arbeit genießen können. ‚Anti-Karoshi‘ wäre somit treffender um die inhaltliche Zielsetzung des Zentrums zu beschreiben. Jedoch ist in der Realität politische und kulturelle Arbeit heute leider noch oft mit prekären Verhältnissen und Selbstausbeutung verbunden. Wir wollen jedoch alles daran setzen, dies zu ändern. Unser Selbstverständnis soll den Rahmen bieten, um dieses Ziel zu erreichen:

Selbstverständnis:

1. Unumstößliche Grundsätze (die Basis):

Diese Grundsätze sind unveränderlich, um das Zentrum dauerhaft „alternativen“ Zwecken zugänglich zu halten und zu verhindern, dass es durch Verwertungslogiken, etc. umgewandelt wird.

1.1 Gegen Ausgrenzung und Diskriminierung

Im Karoshi sollen alle Menschen unabhängig von sozialer Herkunft gleichberechtigt handeln und „konsumieren“ können und einander mit Respekt begegnen. Das schließt u.a. Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Homophobie und gewalttätiges Verhalten aus. Bei Übergriffen und Verstößen gegen nichtdiskriminierende Verhaltensweisen sind alle, auch nicht mittelbar Betroffene, aufgefordert einzuschreiten.

1.2 Emanzipation des Individuums

Das Karoshi hat als Ziel, Zwangsverhältnisse zu beenden. Dazu soll der Mensch, ob veranstaltend oder „konsumierend“, im Mittelpunkt des Lebens und des Schaffens von Kultur und Politik stehen und sich frei entfalten können, ohne dabei andere durch Autorität, Hierarchie oder Diskriminierung einzuschränken.

1.3 Selbstverwaltung
Wichtig für die Arbeit und den eines solchen Zentrums ist die Selbstverwaltung, die weitgehend hierarchiefrei arbeitet und eine Unabhängigkeit von Geldgeber_innen und Sponsor_innen anstrebt, soweit es die äußeren gesellschaftlichen Einflüsse zulassen.

1.4 Mitwirkung

Das Zentrum soll für alle offen sein und eine Plattform bieten, sich kulturell und politisch zu betätigen unabhängig des erwünschten gesellschaftlichen Mainstreams. Die inhaltliche, politische Ausrichtung einer Veranstaltung ist keine Voraussetzung, solange sie nicht gegen unsere Grundsätze verstößt.

Dieses Zentrum soll die Möglichkeit geben, unbürokratisch und nicht allein aus Gründen der wirtschaftlichen Verwertbarkeit einer Veranstaltung Ideen zu verwirklichen. Aus Besucher_innen sollen Veranstalter_innen werden können mit gleichberechtigtem Zugang zu unseren gemeinsamen Ressourcen und Infrastruktur.

2. Variable Grundsätze (der Spielraum):

Durch das Nutzer_innenplenum sind diese Grundsätze abänderbar. Grund: eine Anpassung an die jeweiligen Bedürfnisse und Interessen aller muss möglich bleiben, um wirklich einen freien Raum zu schaffen. Ein Verstoß gegen oben genannte Prinzipien ist nicht möglich.

2.1 Unparteilich

Eine Entfaltung des Individuums schließt eine Partei oder parteiähnliche Organisation aus, da sie nicht an deren parteipolitischen Zielen gebunden sein darf.

2.2 Basisdemokratisch

Ein basisdemokratisch organisiertes Gremium bzw. die von ihm beauftragten Arbeitsgruppen sind das einzige Entscheidungsgremium. Die Entscheidungen fallen nach dem Konsensprinzip, um nicht einer Mehrheit die Möglichkeit zu geben, Interessenskonflikte allein zu ihren Gunsten zu entscheiden. Außer dem Konsensprinzip folgt das Zentrum dem basisdemokratischen „Ein Mensch, eine Stimme“-Prinzip, um den Freiraum dieses Zentrums durchzusetzen und zu erhalten. Zur Umsetzung des Konsensprinzips und der Basisdemokratie gibt es ein Offenes Nutzer_innenplenum, das auch Veranstaltungsgästen offen steht.

2.3 Ausrichtung

Was uns verbindet, ist der gemeinsame Wunsch nach einem kulturellen und politischen Freiraum jenseits des gesellschaftlichen Mainstreams und auf Basis unserer Prinzipien, der gleichzeitig unpolitische oder uns kulturell nicht nahe stehende Veranstaltungen und Projekte ermöglichen soll. Die Unabhängigkeit der Gruppen und der Einzelpersonen fördern Diskussionen und kulturelle Vielfalt, Selbstverantwortung und Selbstbestimmung über gesellschaftliche Schranken wie Alter und sozialer Herkunft hinweg. Das Projekt Karoshi selbst strebt eine Zusammenarbeit mit anderen, ähnlichen Zentren in Kassel an.

Dieses Selbstverständnis stellt den momentanen Stand unserer Diskussion dar und kann aus der Natur der Sache heraus niemals abgeschlossen sein.

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